Umlageschlüssel Personen: Detaillierte Angaben sind in der Abrechnung nicht nötig

Formell ordnungsgemäß ist eine Betriebskostenabrechnung nach der Rechtsprechung des BGH, wenn sie den allgemeinen Anforderungen des § 259 BGB entspricht, also eine geordnete Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben enthält. Ob die Betriebskostenabrechnung die Voraussetzungen erfüllt, die an ihre Wirksamkeit zu stellen sind, richtet sich danach, ob der Mieter in der Lage ist, die zur Verteilung anstehenden Kostenpositionen zu erkennen und anhand des ihm mitgeteilten Verteilerschlüssels den auf ihn entfallenden Anteil an diesen Kosten nachzuprüfen. Hiernach sind bei Gebäuden mit mehreren Wohneinheiten regelmäßig folgende Mindestangaben in die Abrechnung aufzunehmen:

  • eine Zusammenstellung der Gesamtkosten,
  • die Angabe und - soweit erforderlich - Erläuterung der zugrunde gelegten Verteilerschlüssel,
  • die Berechnung des Anteils des Mieters und
  • der Abzug seiner Vorauszahlungen.

An die Anforderungen in formeller Hinsicht sind keine zu hohen Anforderungen zu stellen. Die Anforderungen an die Wirksamkeit einer Abrechnung haben sich am Zweck der Abrechnung zu orientieren. Die Abrechnung soll den Mieter in die Lage versetzen, den Anspruch des Vermieters nachzuprüfen, also gedanklich und rechnerisch nachzuvollziehen. Erforderlich ist dafür, dass der Mieter erkennen kann, in welchen Rechenschritten die Umlage der Betriebskosten erfolgt ist.

Nicht erforderlich ist es hingegen, die in der streitgegenständlichen Abrechnung für den Umlagemaßstab gewählte Bezeichnung "Personenmonate" zu erläutern. Der Verteilerschlüssel "Personenmonate" ist weder unverständlich noch intransparent. Schon aus seiner Bezeichnung ergibt sich, wie er sich zusammensetzt.

Es ist für den - insofern maßgeblichen durchschnittlich gebildeten, juristisch und betriebswirtschaftlich nicht geschulten - Mieter ohne weitere Erläuterung ersichtlich, dass sich bei diesem Schlüssel (nicht anders als bei der Verwendung des Umlagemaßstabs "Personen") sein Anteil an den Betriebskosten nach dem Verhältnis der in seiner Wohnung lebenden Personen zu dem in dem abgerechneten Gebäude insgesamt wohnenden Personen bestimmt.

Die Nachvollziehbarkeit einer Betriebskostenabrechnung, die nach Personen oder Personenbruchteilen abrechnet, wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass sich aus ihr nicht ergibt, wie der Vermieter die Gesamtpersonenzahl im Einzelnen ermittelt hat. Dasselbe gilt für die Abrechnung nach Personenmonaten. Bei der Ermittlung der Personenzahl muss der Vermieter einen weiteren Schritt oder eine gewisse "Gewichtung" vornehmen, weil die Zahl der in einem Mietobjekt wohnenden Personen nur entweder "taggenau" oder zu einzelnen (gröberen) Stichtagen ermittelt werden kann. Die Angabe derartiger Details ist für die formelle Wirksamkeit der Abrechnung jedoch nicht erforderlich. Der Mieter könnte die Ermittlung der Gesamtpersonenzahl nur dann im Einzelnen überprüfen, wenn ihm eine Belegungsliste für das Mietobjekt im Abrechnungszeitraum zur Verfügung gestellt würde; damit würde die Betriebskostenabrechnung jedoch überfrachtet.

BGH, Urteil v. 22.10.2014, VIII ZR 97/14

Lesetipp: Wie berechne ich Personentage in einer Betriebskostenabrechnung?

 

PDF Leseprobe zum Buch Miete und Rendite - Der Praxisleitfaden für ihren Wohnungskauf

 logo fibucom

Sie denken an den Kauf einer Eigentumswohnung? Wenn’s ums Wohnungseigentumsrecht geht, wartet nebenan fibucom.com.

👉 Was ist eine Wohnungseigentümergemeinschaft?

👉 Was sind Miteigentumsanteile? Bedeutung, Berechnung & Praxisbeispiele

👉 Was tun bei Unordnung im Gemeinschaftseigentum?

 

 

Link zur aktuellen Betriebskostenverordnung

betriebskostenabrechnung 1 336 280

amazon buero 336x280

BGH Schutzschild Mockup 250

BGH-Schutzschild für Vermieter - Die zentralen BGH-Urteile zu Form, Fristen, Zugang und Belegeinsicht

Dieses E-Book ist Ihr kompaktes Praxisheft für die Betriebskostenabrechnung. Enthalten sind die 16 wichtigsten Entscheidungen des BGH zu den Punkten, die in der Praxis wirklich entscheiden:

  • formelle Mindestanforderungen,
  • Abrechnungsfrist, Einwendungsfrist,
  • Zugang/Beweislast,
  • Sperrwirkungen sowie Belegeinsicht (inkl. Zahlungsbelegen und Kopien-Frage).

Jeweils mit Sachverhalt, Kernfrage, Entscheidung, Merksatz, Warnhinweis und typischen Praxisfehlern.

Plus zum Schluss: die Checkliste „Die 10 häufigsten Fehler in der Praxis“ – damit Sie vor dem Versand in zwei Minuten prüfen können, ob Ihre Abrechnung „steht“. Ca. 61 Seiten | 6,90 EUR als E-Book


available at amazon de vertical