Die Energiewende im Gebäudebereich wirkt oft zäh. Mal geht es um das Gebäudeenergiegesetz, mal um Förderbedingungen, mal um die Frage, ob eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt sinnvoll ist. Doch neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Im Neubau hat sich längst etwas verschoben.
Die Wärmepumpe ist dort nicht mehr die exotische Ausnahme, sondern in vielen Fällen der neue Normalfall. Das ist für Vermieter, Wohnungseigentümer und Eigentümergemeinschaften interessant – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Der Neubau zeigt die Richtung. Die eigentliche Herausforderung bleibt der Gebäudebestand.
Drei Viertel der neuen Wohngebäude heizen mit Wärmepumpe
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2025 rund 58.900 Wohngebäude in Deutschland fertiggestellt. Davon nutzen 73,6 % hauptsächlich eine Wärmepumpe zur Erzeugung der Heizenergie.
Im Jahr 2024 lag dieser Anteil noch bei 69,4 %. Vor zehn Jahren sah die Lage deutlich anders aus: 2015 wurden erst 31,4 % der neu errichteten Wohngebäude überwiegend mit Wärmepumpe beheizt.
Das ist mehr als eine statistische Randnotiz. Es zeigt: Wer heute neu baut, entscheidet sich immer seltener für Gas oder Öl. Im Neubau ist die Wärmepumpe inzwischen auf dem Weg zum Standard.

Der Neubau schrumpft – und heizt trotzdem moderner
Die Entwicklung hat zwei Seiten. Einerseits setzt sich die Wärmepumpe im Neubau deutlich durch. Andererseits ist der Neubau insgesamt kleiner geworden.
2015 wurden noch rund 105.600 Wohngebäude fertiggestellt. 2024 waren es rund 76.100. Im Jahr 2025 waren es nur noch rund 58.900 Wohngebäude.
Das relativiert die Erfolgsmeldung. Die neuen Gebäude werden zwar deutlich häufiger mit Wärmepumpen ausgestattet. Aber weil insgesamt weniger gebaut wird, kann der Neubau den bestehenden Gebäudebestand nur langsam verändern.
Wärmepumpen sind besonders stark bei Ein- und Zweifamilienhäusern
Besonders häufig kommen Wärmepumpen bei neuen Ein- und Zweifamilienhäusern zum Einsatz. In 77,9 % der 2025 fertiggestellten Einfamilienhäuser wurde hauptsächlich mit Wärmepumpe geheizt. Bei Zweifamilienhäusern lag der Anteil sogar bei 78,4 %.
Anders sieht es bei größeren Mehrfamilienhäusern aus. Bei Wohngebäuden mit drei oder mehr Wohnungen lag der Anteil der Wärmepumpe bei 52,7 %.

Gerade für Vermieter und Wohnungseigentümergemeinschaften ist dieser Unterschied wichtig. Ein Einfamilienhaus lässt sich anders planen als ein größeres Mehrfamilienhaus. Bei größeren Gebäuden spielen Wärmeverteilung, Aufstellflächen, Schallschutz, Investitionskosten, Beschlussfassung und spätere Kostenverteilung eine wesentlich größere Rolle.
Der Neubau zeigt also, wohin die Reise geht. Er zeigt aber auch, dass die Wärmewende nicht in jedem Gebäudetyp gleich einfach umzusetzen ist.
Erneuerbare Heizenergie heißt im Neubau meistens Wärmepumpe
Insgesamt wurden 78,2 % der 2025 fertiggestellten Wohngebäude überwiegend mit erneuerbaren Energien beheizt. Das klingt zunächst nach einer breiten Mischung verschiedener Heizsysteme. Tatsächlich wird dieser hohe Anteil aber vor allem durch Wärmepumpen getragen.
Andere erneuerbare Heizformen spielen als hauptsächliche Energiequelle nur eine Nebenrolle. Holz, Pelletheizungen oder Kaminöfen kamen 2025 auf 3,5 %. Solarthermie lag bei 0,6 %, Biogas oder Biomethan bei 0,4 % und sonstige Biomasse bei 0,2 %.
Der Begriff „erneuerbare Heizenergie“ meint im Neubau daher in der Praxis sehr häufig: Wärmepumpe.

Gas verliert im Neubau deutlich an Bedeutung
Besonders deutlich wird die Veränderung beim Blick auf Erdgas. Im Jahr 2015 wurde noch mehr als die Hälfte der neu errichteten Wohngebäude hauptsächlich mit Erdgas beheizt. 2025 lag der Anteil nur noch bei 10,5 %.
Auch gegenüber dem Vorjahr ist der Rückgang sichtbar. 2024 lag der Gasanteil bei neuen Wohngebäuden noch bei 15,0 %.
Fernwärme war 2025 mit 8,3 % die drittwichtigste Hauptenergiequelle bei neuen Wohngebäuden. Ölheizungen spielen im Neubau praktisch keine Rolle mehr. Nur noch 190 neue Wohngebäude wurden 2025 hauptsächlich mit Öl beheizt. Das entspricht einem Anteil von 0,3 %.
📈 Die Baugenehmigungen zeigen: Der Trend dürfte weitergehen
Auch der Blick auf die Baugenehmigungen zeigt, dass sich der Trend zur Wärmepumpe fortsetzen dürfte.
Von den 2025 genehmigten Wohngebäuden sollen 87,0 % hauptsächlich mit erneuerbarer Energie beheizt werden. In den meisten Fällen ist eine Wärmepumpe vorgesehen: 83,0 % der genehmigten Neubauten sollen hauptsächlich mit Wärmepumpe heizen.
Erdgas spielt bei den genehmigten Wohngebäuden nur noch eine kleine Rolle. Lediglich 2,2 % der 2025 genehmigten Wohngebäude sollen hauptsächlich mit Erdgas beheizt werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Baufertigstellungen zeigen, was bereits gebaut wurde. Baugenehmigungen geben einen Ausblick darauf, welche Heiztechnik in den kommenden Jahren voraussichtlich eingebaut wird.
Der Bestand bleibt die eigentliche Herausforderung
So deutlich die Entwicklung im Neubau ist: Für die Wärmewende insgesamt reicht der Blick auf neue Gebäude nicht aus. Der größte Teil der Menschen wohnt nicht im Neubau, sondern in bestehenden Gebäuden.
Nach den Ergebnissen des Zensus 2022 wurden 53,9 % der bestehenden Gebäude mit Wohnraum hauptsächlich mit Erdgas beheizt. Bei 24,7 % kam Heizöl zum Einsatz. Erneuerbare Energien spielten im Gebäudebestand mit 10,2 % noch eine deutlich kleinere Rolle.
Noch größer ist der Abstand beim Blick auf die Wärmepumpe selbst. Mit Solar- oder Geothermie, Umwelt- oder Abluftwärme wurden 2022 erst 4,2 % der bestehenden Gebäude mit Wohnraum beheizt. Dahinter stehen in der Regel Wärmepumpen oder vergleichbare Technik.

Der Unterschied ist erheblich: Im Neubau lag der Wärmepumpenanteil 2025 bei 73,6 %. Im Bestand lag die entsprechende Technik nach den Zensusdaten 2022 erst bei 4,2 %.
Genau darin liegt die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahre. Im Neubau kann moderne Heiztechnik von Anfang an mitgedacht werden. Das Gebäude wird geplant, gedämmt und technisch ausgestattet. Heizflächen, Leitungen, Aufstellorte und Energieversorgung können aufeinander abgestimmt werden.
Im Bestand ist das schwieriger. Viele Gebäude sind älter, schlechter gedämmt oder auf höhere Vorlauftemperaturen ausgelegt. In Mehrfamilienhäusern kommen weitere Fragen hinzu: Wer entscheidet über den Heizungstausch? Welche Mehrheit ist erforderlich? Wie werden die Kosten verteilt? Welche Maßnahme ist technisch sinnvoll? Und was bedeutet das später für Mieter oder Wohnungseigentümer?
Was bedeutet das für Vermieter und Eigentümer?
Für Vermieter, private Hauseigentümer und Wohnungseigentümergemeinschaften lautet die praktische Frage nicht: Funktioniert die Wärmepumpe im Neubau? Das zeigen die Zahlen inzwischen recht deutlich.
Die wichtigere Frage lautet: Unter welchen Voraussetzungen funktioniert eine Wärmepumpe im vorhandenen Gebäude?
Dazu gehört eine ehrliche Bestandsaufnahme:
- Wie alt ist die vorhandene Heizungsanlage?
- Welche Vorlauftemperaturen werden benötigt?
- Reichen die vorhandenen Heizkörper aus?
- Gibt es Platz für Außengeräte, Erdsonden oder andere technische Lösungen?
- Ist Fernwärme eine realistische Alternative?
- Kommt ein hybrides Heizsystem infrage?
- Müssen zuerst Dämmung, Fenster oder Heizflächen verbessert werden?
- Wie lassen sich die Kosten wirtschaftlich und rechtlich einordnen?
Gerade bei Wohnungseigentümergemeinschaften ist außerdem die rechtliche Ebene wichtig. Eine neue Heizungsanlage ist nicht nur eine technische Entscheidung. Sie kann eine bauliche Veränderung, eine erhebliche Investition und eine langfristige Weichenstellung für das gesamte Gebäude sein.
Praxistipp: Eigentümer sollten den Zustand der vorhandenen Heizungsanlage nicht erst prüfen, wenn diese ausfällt. Sinnvoll ist eine frühzeitige technische Bestandsaufnahme. Dann bleibt Zeit, verschiedene Lösungen zu vergleichen und die Maßnahme wirtschaftlich vorzubereiten.
Kein Grund für Aktionismus – aber ein klares Signal
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind weder ein Grund zur Euphorie noch ein Grund zur Entwarnung. Sie zeigen aber, dass sich tatsächlich etwas bewegt.
Im Neubau hat sich die Wärmepumpe in wenigen Jahren von einer Möglichkeit unter mehreren zur dominierenden Heiztechnik entwickelt. Gas verliert dort stark an Bedeutung. Öl spielt praktisch keine Rolle mehr.
Der Bestand bleibt dagegen die große Baustelle. Dort dominieren weiterhin Gas und Öl. Wer also wissen will, wie weit die Wärmewende im Gebäudebereich wirklich ist, muss beides sehen: den schnellen Wandel im Neubau und die zähe Realität im Bestand.
Für Eigentümer bedeutet das: Es besteht kein Anlass zu überstürzten Entscheidungen. Aber es ist sinnvoll, sich frühzeitig mit der eigenen Heizungsanlage und den technischen Möglichkeiten des Gebäudes zu beschäftigen.
Denn die Richtung ist erkennbar. Neue Gebäude werden immer häufiger ohne klassische Gas- oder Ölheizung geplant. Früher oder später wird diese Entwicklung auch die Diskussionen in bestehenden Häusern, Mietobjekten und Wohnungseigentümergemeinschaften prägen.
Merksatz: Im Neubau ist die Wärmepumpe angekommen. Im Bestand beginnt die eigentliche Arbeit erst.
Quellen








