Maklercourtage | Bestellerprinzip auch beim Immobilienkauf

Wie mittlerweile bei der Wohnungsvermietung soll nun auch das Makler-Bestellerprinzip beim Haus- oder Wohnungskauf auf den Weg gebracht werden. Brach den Wohnungsmaklern ein großer Teil der Einnahmen bei der Neuvermietung von Wohnungen mittlerweile weg, ist, wenn der Gesetzesentwurf durchkommt, mit einem ähnlichen Einbruch beim Immobilienverkauf zu rechnen. Verständlich, dass die Lobbyorganisationen der Immobilienbranche in Schnappatmung verfallen. Aber löst das Bestellerprinzip das Problem des viel zu teuren Immobilienerwerbs in Deutschland?

Pro: Deutsche Makler nehmen Spitzenprovisionen

Die Maklerprovision in Deutschland liegt mit üblicherweise 5 bis 6 und bis zu 7,14 % am obersten Ende der internationalen Skala: In Irland sind 1 bis 2,5 % des Objektpreises gebräuchlich, in den Niederlanden 1 bis maximal 2 %, in Schweden als grobe Faustregel je nach Verkaufspreis zwischen 1,5 und 4,5 % Maklerprovision, in Großbritannien nach verschiedenen Quellen zwischen 1 und 2 %. In Frankreich werden 3 bis 8 % fällig (vgl. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Sachstand WD 7– 3000-162/18 von 27.08.2018).

Contra: Städte, Kommunen und Notare langen weiter hin

Städte und Kommunen greifen genauso ungeniert in die Taschen der Immobilienkäufer, Preistreiber ist die Grunderwerbsteuer. Noch bis 2006 lag der Steuersatz bundesweit einheitlich bei 3,5 Prozent. Mittlerweile liegt die Grunderwerbsteuer zwischen 3.5% (rühmliche Ausnahme Bayern und Sachsen) und 6,5% und kennt nur einen Weg: Nach oben! Hinzu kommen noch einmal ca. 2% der Kaufsumme für die Notar- und Grundbuchkosten. Auch ohne Makler sind im ungünstigsten Fall schon 8,5% der Kaufsumme zu zahlen. Damit sind wir Spitzenreiter in Europa. Wie es anders geht, zeigen die Niederlande oder auch Großbritannien.
In den Niederlanden werden für den Grunderwerb zwei Prozent Steuern bezogen auf den Kaufpreis erhoben. Auch die Notarkosten sind deutlich niedriger als in Deutschland und liegen je nach Kauffall zwischen 0,3 bis 0,4 Prozent des Kaufpreises. Für den Grundbucheintrag werden einheitlich 0,2 Prozent des Kaufpreises erhoben. Maximal sind also 2,6 Prozent an Nebenkosten fällig. Warum geht das nicht in Deutschland? Oder wie wäre es mit einer Staffelung der Grunderwerbsteuer wie in Großbritannien?
In Großbritannien gibt es keinen einheitlichen Steuersatz, vielmehr einen Freibetrag von 125 000 Pfund. Erst für höhere Beträge steigt die Steuer langsam an.

Fazit:

Es ist gut und richtig, auch bei den Maklern das Bestellerprinzip einzuführen. Noch besser wäre es allerdings, wenn die Städte und Kommunen parallel die Grunderwerbsteuer senken oder auch - wie in Großbritannien - Freibeträge einführen. Das wird aber nicht geschehen, denn die Steuer ist eine wichtige Einnahmequelle auf die sie nicht verzichten wollen. Ich befürchte, dass Verkäufer die eingesparten Maklerkosten in den Verkaufspreis einspeisen oder die Städte und Kommunen die  Grunderwerbsteuer noch ungenierter hochsetzen.

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