Die Bewohner einer Mietwohnung fühlten sich wie auf dem Bahnhofsvorplatz. Durch die geschlossenen Fenster und durch die Ritzen der Außentüren zog es wie Hechtsuppe. Der Vermieter hielt seine Mieter für verweichlicht und riet zu wärmerer Kleidung.

Doch die Richter schlugen sich auf die Seite der Bewohner des Windkanals. Da die Strömungen den "zumutbaren Luftaustausch" deutlich überstieg, durften sie die Miete um 20 Prozent mindern (Landgericht Kassel 1s 274/84). Dass Fenster und Türen den geltenden Normen entsprechen, hilft Hausbesitzern nicht. Ob eine Mietminderung gerechtfertigt ist, hängt allein davon ab, ob es zu sehr zieht oder nicht (Landgericht Berlin 61 S 437/81).

Das sah auch das Karlsruher Landgericht so und entschied in dem folgenden Fall gegen die Mieter. Selbst wenn die Fenster nicht geöffnet waren, strömte ein leichter Windhauch durch die Wohnung. Das störte die Mieter und sie forderten den Eigentümer schriftlich dazu auf, die Mindestvoraussetzungen modernen Wohnens zu erfüllen, also die Fenster abzudichten. So lange das nicht der Fall sei, teilten die Mieter mit, würden sie ihre monatlichen Zahlungen kürzen. Der Vermieter dachte allerdings gar nicht daran, den Altbau wie gewünscht grundlegend zu sanieren oder gar die Fenster auszutauschen. Er beharrte darauf, die Kläger hätten schließlich bei Vertragsabschluss gewusst, worauf sie sich einlassen.

Eine Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe schloss sich der Ansicht des Eigentümers an. Die Wohnung sei zwar zugig, aber trotzdem nicht mit einem Mangel behaftet, hieß es in dem Urteil. Denn man könne stets nur einen Standard erwarten, „der der üblichen Ausstattung vergleichbarer Wohnungen entspricht“. Dabei sei auch das Alter des Objekts zu berücksichtigen. Anders wäre es, wenn zum Beispiel in einer Wohnung die Stromleitungen so marode wären, dass man keine modernen Elektrogeräte verwenden könne. Dann könne man nach den vom Bundesgerichtshof aufgestellten Grundsätzen mit Erfolg auf Nachbesserung klagen – selbst bei einem sehr alten Gebäude - LG Karlsruhe, Az. 9 S 157/05.

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