Mit dem Beginn des neuen Jahres wird das Thema „Stromsparen“ in vielen deutschen Haushalten wieder an Aktualität gewinnen: Ab Januar 2016 steigen die Preise für den Strom wieder an, nachdem das Preisniveau im auslaufenden Jahr im Vergleich moderat lag. Von den insgesamt über 800 Stromanbietern haben mittlerweile mindestens 100 Grundversorger eine Preissteigerung für das kommende Jahr angekündigt. Dem stehen immerhin 30 Grundversorger gegenüber, die durchschnittliche Preissenkungen von etwa zwei Prozent – im für die Verbraucher günstigsten Fall sind es sogar über fünf Prozent – bieten.

Für 2016 haben viele Stromanbieter Preiserhöhungen angekündigt.

Unterschiede nach Anbieter und Region

Dennoch werden fast sechs Millionen Haushalte nach dem Jahreswechsel mit Preissteigerungen rechnen müssen. Diese liegen im Bundesdurchschnitt bei rund drei Prozent, die Spitzenwerte hingegen sogar bei rund sieben Prozent. Das ist nicht nur vom jeweiligen Anbieter abhängig, sondern auch den großen regionalen Unterschieden bei der Preisgestaltung geschuldet. Verschiedene Netzentgelte und der lokale Anbieterwettbewerb tragen ebenfalls zu Preisunterschieden bei.

Legt man bei der Berechnung der Strompreise einen durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zugrunde, ergibt sich aktuell für die gesamte Republik ein Durchschnittspreis von rund 1.070 Euro im Jahr bei den lokalen Versorgern, für Ökostrom müssen etwa 732 Euro und für sonstige Tarife immer noch etwa 716 Euro bezahlt werden.

Die Strompreise der lokalen Anbieter liegen dabei nur in sieben Bundesländern unter dem Durchschnittswert, in Thüringen kostet der Strom auf das Jahr gesehen sogar 70 Euro mehr, in Bremen sind es hingegen fast 70 Euro weniger. Etwas anders gestaltet sich die Situation beim Ökostrom. Der ist in Mecklenburg-Vorpommern 70 Euro teurer als der Bundesdurchschnitt, wohingegen einmal mehr Bremen mit rund 60 Euro weniger die günstigsten Anbieter vorweisen kann. Auch bei den sonstigen Tarifen zeichnet sich ein ähnliches Bild: Zehn Bundesländer liegen preislich unter dem Durchschnitt, Mecklenburg-Vorpommern rund 66 Euro darüber, am günstigsten – etwa 46 Euro weniger – kommen auch hier die Kunden in Bremen weg.

Die günstigsten lokalen Versorger gibt es in Bayern sowie in Niedersachsen und in einigen Regionen Brandenburgs. In Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Sachsen und Baden-Württemberg finden sich hingegen die teuersten lokalen Versorger.

Die Strompreiszusammensetzung: Wofür die Kunden zahlen

Die bevorstehende Preissteigerung ist zunächst eine paradoxe Entwicklung, denn die Strompreise an der Börse fallen auch weiterhin. Die Zunahme des geförderten Ökostroms senkt den Einkaufspreis auf mittlerweile drei bis vier Cent pro Kilowattstunde – im Frühjahr dieses Jahres lagen die Preise zwischenzeitlich sogar darunter und erreichten im Mai den niedrigsten Stand seit 12 Jahren. Allerdings machen Stromerzeugung und Vertrieb nur etwa ein Viertel des Endpreises aus, den die Kunden letztlich zahlen müssen. Der Rest besteht aus staatlichen und kommunalen Abgaben und Umlagen.

strompreis 2016 abbildung 1

Durchschnittlicher Strompreis für Haushaltskunden in Deutschland bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden. Quelle: BDEW Erneuerbare Energien und das EEG: Zahlen, Fakten, Grafiken (2015), S. 48

  • Netznutzungsentgelte
    Einen ähnlich großen Anteil haben die Netznutzungsentgelte oder Netzentgelte, die eine Transport- und Verteilungsgebühr darstellen. Die Stromanbieter müssen für die Nutzung der Verteilnetze der Netzbetreiber zahlen, geregelt ist die Höhe dieser Gebühren in der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV), durch die Anreizregulierungsverordnung sind zudem feste Erlösobergrenzen festlegt. Die Preisunterschiede sind auch bei den Netzentgelten regional geprägt, abhängig von der Bevölkerungsdichte und der Notwendigkeit des Ausbaus der Stromnetze.

    Die Netzentgelte werden 2016 ebenfalls höher ausfallen, was im direkten Zusammenhang mit den Bemühungen um die Energiewende steht: Der vorrangig eingespeiste Strom aus erneuerbaren Energien ist durch die Abhängigkeit von Wind- und Sonnenkraft immer wieder Schwankungen unterworfen, die durch den Einsatz von Kohle- und Gaskraftwerken ausgeglichen werden müssen. Das damit verbundene Hoch- und Runterfahren dieser Kraftwerke ist allerdings mit teils hohen Kosten im dreistelligen Millionenbereich verbunden, die wiederum auf die Strompreise umgelegt werden.
  • EEG-Umlage
    Der nächstgrößere Posten ist die EEG-Umlage mit einem Anteil von etwas über 21 Prozent. Das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) sieht unter Paragraph 60 die Zahlung einer Umlage an die Übertragungsnetzbetreiber durch die Stromversorger vor und zwar für jede Kilowattstunde Strom, die an den Endverbraucher geliefert wird. Mit dem EEG soll die Förderung erneuerbarer Energien finanziell unterstützt und langfristig eine nachhaltigere Energieversorgung gesichert werden. Im nächsten Jahr wird sie, nachdem sie 2015 leicht gesunken war, um 0,2 Cent pro Kilowattstunde auf 6,35 Cent angehoben.
  • Umsatzsteuer
    Auch für die Stromlieferung werden 19 Prozent Umsatz- oder Mehrwertsteuer fällig – beim Endpreis für die Verbraucher schlägt sich die Abgabe immer noch mit einem Anteil von rund 16 Prozent nieder. Die weiteren Umlagen liegen hingegen alle im einstelligen Bereich.
  • Stromsteuer
    So wie beispielsweise die Strom- oder Ökosteuer, die rund sieben Prozent des Endverbraucherpreises ausmacht. Sie soll einerseits dabei helfen, die klimapolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, andererseits dient sie der Senkung und Stabilisierung des Rentenbeitragssatzes. Derzeit werden die Erlöse aus der Stromsteuer zu einem großen Teil der Rentenkasse zugeführt, damit die Lohnnebenkosten reduziert werden können.
  • Konzessionsabgabe
    Die Konzessionsabgabe fließt seit den Bestimmungen des Energiewirtschaftsgesetzes von 1935 an die Kommunen. Damit zahlen die Stromanbieter für die Nutzungsrechte an öffentlichen Wegen für die Verlegung oder den Betrieb ihrer Leitungen. Die Höhe ist dabei abhängig von der Größe der Gemeinde.
  • KWK-, § 19- und Offshore-Umlage
    Diese Umlagen haben einen deutlich geringeren Anteil am Strompreis, zusammengenommen liegt er bei knapp zwei Prozent. Die § 19-Umlage gehört ebenfalls zur StromNEV und dient als Ausgleichszahlung dafür, dass die Großindustrie von den Netzentgelten befreit ist. Die Offshore-Umlage wird zum Bezahlen von Schadensersatzkosten verwendet, die unter anderem durch einen verspäteten Anschluss von Offshore-Windparks entstehen können. Die KWK-Umlage gibt es schon seit 2002, mit ihr soll die Stromproduktion durch Kraft-Wärme-Kopplung gefördert werden. Die Bundesregierung wird diese Förderung mit dem neuen Jahr noch einmal erhöhen, was gleichzeitig einen Anstieg der Umlage – ebenfalls um 0,2 Cent pro Kilowattstunde – bedeutet.

Wechsel des Stromanbieters: Kurze Verträge und Sonderkündigungsrechte

Ganz gleich, woher die Preiserhöhungen für den gelieferten Strom auch stammen, für viele Verbraucher könnte sich ein Wechsel des Anbieters zum neuen Jahr lohnen. Tatsächlich ist das grundsätzlich eine gute Möglichkeit zur Kostenersparnis, selbst wenn die Preise – wie in diesem Jahr – auf einem vergleichsweise erträglichen Niveau bleiben. Denn zwischen den Anbietern gibt Bei Strompreiserhöhungen haben Verbraucher ein Sonderkündigungsrecht, aber auch sonst lohnt ein Anbietervergleich.es fast immer teils erhebliche Preisunterschiede und somit auch Einsparmöglichkeiten.

Wer von solchen Anbieterwechseln profitieren möchte, sollte allerdings auf die Vertragslaufzeiten achten: Lange Laufzeiten machen unflexibel und erschweren eine schnelle Reaktion auf die Strompreisentwicklungen. Besser sind daher Verträge, die nicht länger als ein Jahr laufen. Dabei sollte gleichzeitig auf möglichst kurze Kündigungsfristen geachtet werden. Eine schriftliche Kündigung ist im Normalfall übrigens nicht notwendig, der neue Anbieter übernimmt diese nach dem Vertragsabschluss. Das kann allerdings bis zu einigen Wochen dauern, weswegen sich in eiligen Fällen die Kündigung in Eigenregie anbietet. Wer sich bei der inhaltlichen Gestaltung unsicher ist, kann zur Sicherheit auf die Musterschreiben von tarife.de zurückgreifen.

Im Falle einer Preiserhöhung – oder bei anderen Veränderungen der Vertragsbedingungen – besteht zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht für die Verbraucher. Ein vorläufiges Urteil des Landgerichtes Düsseldorf räumt dieses Recht auch dann ein, wenn die Teuerung von den Anbietern auf höhere Abgaben und Umlagen zurückgeführt wird. Auf Grundlage dieses Urteils wäre ein nachträglicher Widerspruch gegen vergangene Stromrechnungen möglich, denn die Widerspruchsfrist gilt rückwirkend für bis zu drei Jahre.
Zu beachten ist allerdings, dass diese Regelung nicht greift, wenn der abgeschlossene Vertrag – zum Beispiel im Rahmen eines Bonusprogramms – einen besonders günstigen Strompreis nur für das erste Jahr vorsieht. Der möglicherweise höhere Preis, der danach anfällt, ist nämlich im Grunde keine Preiserhöhung. Eine Sonderkündigung ist in solchen Fällen daher nicht möglich.

Abbildungen
Abbildung 1: pixabay.com © eretmari (CC0 Public Domain)
Abbildung 2: shutterstock.com © gopixa

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